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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am heutigen Samstag wäre auf den Großheubacher Mainwiesen für gewöhnlich das Johannisfeuer entzündet worden. Dieses Feuer empfinde ich als ein starkes Bild für das, worauf es in unserem Glauben eigentlich ankommt - und das beginnt schon damit, wie aus Holz und einem kleinen Funken eine weithin sichtbare, helle und mächtige Flamme entsteht.

So weit, so theoretisch. Wie haben wir diese Metaphorik zu deuten? Beginnen wir bei der Grundlage, dem Holz. Stellen Sie sich einmal die Menge an Holz vor, die es für ein solch gewaltiges Feuer braucht. Da reichen nicht bloß wenige Scheite, da braucht es eine stattliche Menge, um den Flammen genügend Nahrung zu bieten. Und wenn Sie sich nun eine solch große Menge Holz vorstellen, dann sehen Sie vor Ihrem inneren Auge sicher viele verschiedene Holzarten. Vielleicht bemerken Sie, dass sich zwar manche in ihrer Form und Farbe ähneln, aber keines wirklich genau so ist wie die anderen? Oder sehen Sie, dass das helle Holz im Inneren von einer feinen, dunklen Rinde umgeben ist? Bestimmt ist Ihnen auch in den Sinn gekommen, dass kein Holz wie das andere ist, ein jedes ist hier und da uneben, vom Zahn der Zeit gezeichnet und vom Wirken der Elemente geprägt.

Überträgt man die Eigenschaften der Holzscheiben nun auf eine metaphorische Ebene, so ist es doch mit uns Menschen auch nicht anders: Niemand ist genau gleich wie die anderen, ein jeder hat eine bestimmte Prägung - das können Dinge sein, die uns belasten, die uns gezeichnet haben, aber auch Eigenschaften, auf die wir stolz sein können. Was uns jedoch alle vereint, ist die Eigenschaft, dass wir, ebenso wie das Holz, brennen können, dass wir Licht werden können. Doch alleine können wir das nicht schaffen - nur zu schnell würde uns das „Material“, würde uns die Kraft ausgehen, um das Feuer am Leben zu halten. Wir brauchen die Gemeinschaft, in der wir uns gegenseitig stützen und füreinander da sind - um zusammen mehr Licht in die Welt zu bringen, als die stärkste Flamme alleine.

Doch mit dem Brennstoff alleine ist es nicht getan - wir brauchen Zündung, um ein Feuer entstehen zu lassen. Der Theologe Rudolf Englert spricht von einem Moment produktiver Unterbrechung, das es braucht, um neue Perspektiven zu entdecken. Es braucht konkret ein Ereignis, das uns zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Glauben provoziert. Das Wirken des Heiligen Johannes bei den Menschen seiner Zeit mag genau das für uns sein: Er verkündete die frohe Botschaft vom Reich Gottes und bewegte viele Menschen dazu, sich taufen zu lassen und für den Glauben zu brennen.

Im Lukasevangelium lesen wir: "Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes" (Lk 1,78f). Wollen wir dieses aufstrahlende Licht in unsere Herzen scheinen lassen, wollen wir uns ganz öffnen für die Strahlen Gottes in unserem Leben und das Feuer der Begeisterung, das Feuer des Glaubens in uns brennen lassen.  

Liebe Leserinnen, liebe Leser: Auch, wenn wir das Johannisfeuer heuer nicht gemeinsam auf unseren Mainwiesen entzünden können, so möchte ich Ihnen die Botschaft dieses Tages ganz besonders mit auf den Weg geben: Obgleich wir alle verschieden sind, so vereint uns doch, dass wir letztlich aus dem gleichen Holz geschnitzt sind: Als Christen sind wir dazu berufen, das Licht Gottes hinaus in die Welt zu tragen, auf dass es die Herzen aller Menschen mit seiner Strahlkraft und Wärme erfülle und damit unsere, gerade in diesen Tagen recht dunkel wirkende, Welt ein Stück weit heller machen möge.

Dass Sie mit diesen Worten bestärkt Feuer und Flamme für den Glauben sein mögen, wünscht Ihnen

Ihr

Jakob Link

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Bild dieser Marienstatue wurde aufgenommen in einem kleinen Örtchen in der Bretagne. Mir gefiel an dieser Figur sofort, dass sie schon etwas verwittert war. Maria - vom Leben gekennzeichnet und trotzdem immer noch lächelnd.

Bei genauerer Betrachtung fällt noch mehr auf: An Marias linker Seite - vom Betrachter aus rechts - fehlt etwas. Sogar etwas ganz Wesentliches. Diese Maria hatte einmal ein Jesuskind auf ihrem Schoß. Deshalb schaut sie auch so liebevoll und lächelnd zur Seite. Warum wird eine zerstörte Statue nicht entfernt oder restauriert, könnte man fragen. Mich spricht gerade die Unvollkommenheit an. Die Figur an der Seitenwand einer Kapelle in der Bretagne spiegelt wider, was Maria in ihrem Leben erfahren hat. Das Kind, das sie unter schwierigen Umständen zur Welt gebracht und lieb gewonnen hat, wird ihr später gleich mehrmals genommen: Als Zwölfjähriger im Tempel distanziert sich Jesus zum ersten Mal von seinen Eltern; als junger Mann bricht er auf, um seine Botschaft im ganzen Land zu verkünden; mit Mitte dreißig stirbt er einen grausamen Tod am Kreuz. Maria muss ihren Sohn hergeben, dennoch steht sie immer zu ihm, blickt immer liebevoll zu ihm hin.

Liebe Brüder und Schwestern, in Zeiten der Entbehrungen aufgrund der Corona-Krise wird auch unsere Beziehung zu Jesus auf eine harte Probe gestellt. Auch wenn wir jetzt wieder langsam mit gottesdienstlichen Feiern beginnen dürfen - auf den Empfang der Kommunion werden wir wohl noch länger verzichten müssen. Und gerade das ist ja der Ort, wo wir Jesus zutiefst und zuinnerst begegnen. Mit Maria spüren wir die Trennung. Mit Maria dürfen wir uns aber auch vertrauensvoll zu Jesus hinwenden. Jesus ist trotz allem nicht abwesend, er ist immer da. Maria wusste das.

Die Marienfigur hält weiter an ihrem Sohn fest, sie schaut ihn liebevoll an, weil sie ihn ganz nah bei sich spürt.

Vertrauen wir uns ihrem mütterlichen Segen an, dass auch wir in dieser Gewissheit weiterhin durch diese Tage gehen können.

Das wünscht Ihnen allen von Herzen

Ihre Pastoralreferentin Kerstin Gerlach

Es gibt viele verschiedene Darstellungen der Gottesmutter Maria und eine jede bringt ihre ganz eigene Stimmung zum Ausdruck. Das Gnadenbild in der Klosterkirche auf dem Engelberg trägt den Namen „Maria von der Freude“ - was es damit auf sich hat und warum Maria für uns wie eine Mutter ist, das wollen wir in unserer gemeinsamen Maiandacht erfahren.

Das Segensgebet zum Mitsprechen finden Sie HIER - wenn Sie auch Mitsingen möchten, legen Sie bitte ein Gotteslob bereit oder schalten im Video die Untertitel über die Taste C ein. 

Hier geht's zum Video (Beginn am 10.05. um 16 Uhr)

Wir freuen uns auf unsere gemeinsame Andacht!

Im Namen aller Mitwirkenden,

Jakob Link 

Liebe Schwestern und Brüder!

Aus vielen Gesprächen in den vergangenen Wochen habe ich eine große Unsicherheit herausgehört, was denn momentan wirklich wichtig und sinnvoll ist. Es geht bei dieser Sorge um den Schutz vor Ansteckung, aber auch um die Sehnsucht nach Nähe zu den Menschen, mit denen man normalerweise so gern und oft zusammen ist. Welches Verhalten ist denn nun richtig, wenn in Politik und Expertenkreisen die Meinungen oft innerhalb weniger Stunden so weit auseinandergehen? Kein Wunder, dass es da auch zu unvernünftigem Handeln bei Teilen der Bevölkerung kommt.

Ich habe natürlich auch keine wissenschaftliche Antwort auf diese Frage, das ist schließlich nicht mein Fachgebiet. Da muss ich einfach meine Ohnmacht zugeben - vielleicht sollten das andere auch, bevor sie zu völlig abstrusen Maßnahmen raten. Es war in der Geschichte schon oft so, dass es zu einem Thema tausende von Meinungen gab und die Menschen damit verwirrt wurden; dass es Scharlatane gab, die unruhige Situationen für ihre Zwecke missbrauchten. Früher nannte man sie zum Beispiel „falsche Propheten“.

Im Evangelium vom heutigen Sonntag bezeichnet Jesus solche Leute als „Diebe und Räuber“. Auch er weiß nämlich genau, wie sehr die Menschen seiner Zeit von Sorgen geprägt sind: Viele sind Tagelöhner, die kaum das Nötigste zum Leben haben; Krankheiten wie Lepra zwingen viele zum Betteln und zur Isolation; die römische Besatzung entzieht der Bevölkerung jegliche Freiheitsrechte. In dieser Situation tauchen immer wieder selbst ernannte Propheten auf, die eine wunderbare Zukunft voraussagen - doch wohl eher, um sich selbst daran zu bereichern. Das sind die „Diebe und Räuber“, von denen Jesus spricht. Sie steigen „anderswo“ in den Schafstall ein, um die Schafe zu verführen (vgl. Joh 10,1). Jesus möchte das Volk vor ihnen warnen und ihnen klar machen, wer der richtige, der „gute Hirt“ ist: „Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.“ (Joh 10,2).

Der gute Hirt ist offen und ehrlich. Er hat es nicht nötig, hinten herum einzusteigen und mit falschen Versprechungen zu prahlen. Jesus hat nie falsche Versprechungen gemacht. Er hat auf das Heil des Reiches Gottes hingewiesen, und ebenso auf das Kreuz, das jeder Mensch zu tragen hat. Aber Jesus schwingt nicht nur große Reden, er trägt auch daran mit. Denn als der gute Hirt will er das Beste für seine Schafe. Er will, dass alle gerettet werden. Denn er ist „gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10)

Liebe Schwestern, liebe Brüder, mir persönlich machen diese Worte Jesu in der momentanen unsicheren Lage Mut. Mut, daran zu glauben, dass das Leben nicht nur weitergeht, sondern siegen wird; Mut darauf zu hoffen, dass sich die durchsetzen werden, denen es nicht um Profit, sondern um das Wohl der Menschen geht; Mut, darauf zu vertrauen, dass uns Jesus als unser Hirt sicher durch diese Zeit führen wird.

Einen gesegneten Sonntag und eine Woche voller Mut und Vertrauen wünscht Ihnen

Ihre Pastoralreferentin Kerstin Gerlach

Liebe Schwestern und Brüder!

Auch zwei Wochen nach Ostern hat sich die Lage für uns immer noch nicht wirklich entspannt. Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben, selbst wenn schon von „Lockerungen“ die Rede ist. Ein überstürztes Wiederaufnehmen der sogenannten Normalität könnte gefährlich sein.

Damit wir nicht am Rad drehen, ist es hilfreich, sich auf Kleines zu konzentrieren. Mir persönlich hat eine Woche Urlaub dabei gut getan. Normalerweise mache in dieser Zeit Ausflüge, besuche Freunde, gehe Shoppen... Dieses Mal habe ich gelesen, telefoniert, morgens lange am Kaffeetisch gesessen und einfach mal den Sonnenaufgang betrachtet. Und ich habe gemerkt, wie entspannend das ist. Und - das sind Dinge, für die es keinen großen Aufwand braucht, die man sich auch für „normale“ Zeiten angewöhnen kann. Das Kleine hat manchmal eine so große Wirkung, wenn man es aufmerksam wahrnimmt. Im heutigen Tagesevangelium erzählt uns Johannes seine Sicht der wunderbaren Brotvermehrung (6. Kapitel, Verse 1-15). Jesus befindet sich mit seinen Jüngern am See von Tiberias, und eine große Menschenmenge ist ihnen gefolgt. Als Jesus merkt, dass sie etwas zu essen brauchen, wendet er sich an seine Jünger: „Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?“ Andreas, der Bruder des Simon Petrus, entdeckt in der Menge einen kleinen Jungen mit fünf Broten und zwei Fischen. Durch das Gebet Jesu und das gemeinsame Teilen werden alle Menschen satt und es bleiben zwölf Körbe übrig.

Weil Jesus nicht einfach Brot „herbeizaubert“, sondern seine Freunde in das Geschehen einbindet, können sie etwas entdecken, das sie sonst wahrscheinlich übersehen hätten: Einen kleinen Jungen, der das Wesentliche zum satt machenden Mahl beisteuert. Es ist das Kleine, Unscheinbare in dieser Geschichte, das die Menschen erfüllt, das im wahrsten Sinne des Wortes ihren Hunger stillt. Indem sie aufmerksam für dieses Kleine waren, bekommen sie sogar ein Übermass dessen, was sie brauchen: Zwölf Körbe bleiben übrig.

Liebe Brüder und Schwestern, öffnen wir unseren Blick für das Kleine und die täglichen Kleinigkeiten in unserem Leben. Lassen wir uns von dem erfüllen, das wir in „normalen“ Zeiten vielleicht übersehen und nutzen wir die Chance der momentanen Langsamkeit, uns auf die Schönheit des Kleinen zu konzentrieren. Wir werden überrascht sein, wie viele Körbe voll Zufriedenheit und Freude für uns übrig bleiben können.

Das wünscht Ihnen allen für dieses Wochenende und darüber hinaus

Kerstin Gerlach, Pastoralreferentin

Liebe Brüder und Schwestern!

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir: Am liebsten habe ich Klarheit, möchte verstehen, was um mich herum vorgeht. Wenn ich ein technisches Gerät kaufe, möchte ich die Bedienungsanleitung verstehen; wenn ich einen Vertrag unterschreibe, lese ich ihn vorher genau durch; wenn ich zum Arzt gehe, möchte ich die Diagnose genau erklärt haben. Nun gilt es aber im Leben auch vieles auszuhalten, das unser Verstehen übersteigt. Eine große Herausforderung für den Menschen, der doch so gerne alles bis ins Detail durchschaut.Im Moment durchleben wir ein solche Zeit, in der viele Vorgänge unser Verstehen übersteigen und wir ohnmächtig dabeistehen.

Ich meine, da kommt uns das Osterfest mit seiner Botschaft genau recht. Die Freunde, Jünger, Anhänger und die Familie Jesu sind durch seinen Tod ebenfalls in Ohnmacht erstarrt. Alles, was passiert ist, übersteigt ihr Verstehen bei Weitem. Wie sieht die Zukunft aus? Alles ist wie ein großes Geheimnis.Für die eigentliche Auferstehung gibt es keinen einzigen Zeugen. Die ersten, die davon berichten, sind die Frauen, die am Ostermorgen in aller Frühe zum Grab kommen. Sie sehen, dass der Stein weggerollt und der Leichnam Jesu fort ist. Durch den Engel wird das Geheimnis gelüftet und sie erfahren von der Auferstehung. Auch jetzt können sie noch nicht wirklich verstehen, was da geschehen ist, aber sie glauben. Sie glauben, weil sie mit Jesus Erfahrungen gemacht haben, die ihnen ein unerschütterliches Vertrauen geschenkt haben. Die Frauen haben mit Jesus eine ganz neue Sichtweise auf die Welt bekommen: Wo sie vorher nur Verachtung, Ausgrenzung, Ohnmacht und Leid erfahren haben, da kam mit ihm plötzlich Respekt, Zuwendung, Ermutigung und Heilung. Im Umgang mit Jesus wurde auf einmal in ihrem Leben möglich, was vorher unmöglich schien. Wieso also sollte nicht auch jetzt das vollkommen Unmögliche möglich werden - Leben aus dem Tod?

Liebe Schwestern, liebe Brüder, das Geheimnis der Auferstehung bleibt, aber es wird wahr im Licht des Glaubens. Wer erlebt hat, dass der Glaube an Jesus stärkt, der kann auch dieses Geheimnis aushalten und daran glauben. Und wer in diesem Glauben an das Leben lebt, der kann auch die „Geheimnisse“ dieser Welt aushalten, Sachverhalte, die unser Verstehen übersteigen. In diesem Glauben können wir nämlich gewiss sein, dass Gott für uns das Leben will. Bitten wir ihn an diesem Osterfest um sein Licht für uns und besonders für alle, die sich in den unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft um Klarheit in der momentanen Situation bemühen.

Lassen Sie sich zu Ostern von einem Zitat des evangelischen Theologen Friedrich von Bodelschwingh inspirieren: „Im Licht der Ostersonne bekommen die Geheimnisse der Erde ein anderes Licht.“

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich von Herzen ein gesegnetes, frohes und gesundes Osterfest!

Ihre Pastoralreferentin Kerstin Gerlach

"Wenn ich über der Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.“

Jetzt ist es so weit, Jesus:
Am Kreuz erhöht stirbst Du für uns.
Dein letzter Blick gilt den Menschen, die bei dir stehen
- deiner Mutter, deinen Freunden, auch uns, die wir heute bei dir aushalten.
Wie schwer fällt es, Leid mit auszuhalten.
Wie Maria unter deinem Kreuz zu stehen.
Nichts zu tun außer da zu sein.
 
Am Kreuz erhöht stirbst du für uns.
Du, Jesus, warst immer für die Menschen da.
Dein Blick geht in die Runde: Wer bleibt am Ende bei dir?
Wie schwach sind doch die Menschen, du kennst sie ja so gut.
Du bist es, der ihnen ins Herz blickt voller Barmherzigkeit und Liebe - trotz allem.
 
Am Kreuz erhöht stirbst du für uns.
Du überwindest Gewalt und Hass.
Heute wird wahr, was du gesagt hast:
„Ich werde alle zu mir ziehen.“
Ein Narr, wer deiner Liebe widerstehen wollte!
Ein Tor, wer sich deiner Erlösung entziehen wollte!
 
Jesus, lass mich jetzt dein Kreuz verehren.
Lass mich das Zeichen der Hoffnung sehen,
aufgerichtet über aller Verzweiflung.
Lass mich das Zeichen der Liebe sehen,
aufgerichtet über aller Gleichgültigkeit.
Lass mich das Zeichen des Lebens sehen,
aufgerichtet über dem Tod.
Lass mich dir so dafür danken, dass du mich zu dir ziehst mit deiner Liebe.
 
Text und Bild: Kerstin Gerlach

Liebe Schwestern und Brüder,

eigentlich war für heute Abend der Bußgottesdienst in der Fastenzeit geplant. Warum er nicht stattfindet, wissen alle. Mit ein paar kurzen Gedanken möchte ich Sie einladen, sich ein wenig Zeit zur Besinnung zu nehmen.

Auch in diesem Jahr werden die Glocken an Karfreitag und -samstag schweigen. In Großheubach, Laudenbach und Rüdenau werden sie an diesen beiden Tagen traditionell durch Kinder und Jugendliche ersetzt, die mit ihren "Raschpeln" durch die Straßen ziehen und die Gläubigen zum Gebet und zu den Gottesdiensten aufrufen. 

Durch die geltenden Ausgangsbeschränkungen bedingt muss dieser Brauch heuer in etwas geänderter Form stattfinden. Im Folgenden finden Sie Informationen zur Vorgehensweise in den einzelnen Gemeinden. 

Liebe Leserinnen, liebe Leser und vor allem: Liebe Kinder!

Gerne wären wir mit euch in der Karwoche gemeinsam den Kreuzweg auf den Engelberg gelaufen oder hätten in der Pfarrkirche zusammen gebetet - die aktuelle Situation lässt das leider nicht zu.

Stattdessen bringen wir den Kreuzweg aus der Großheubacher Pfarrkirche zu euch nach Hause und laden euch ein, zusammen mit uns eine kleine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen und herauszufinden, was mit Jesus damals so alles geschehen ist und warum der Kreuzweg eigentlich gar nicht am Kreuz endet, sondern bis in die heutige Zeit weiterführt. 

Gerne dürft ihr uns im Gebet begleiten und zu (fast) allen Kreuzwegstationen die Texte für euch mitsprechen - ihr findet Sie hier zum Herunterladen: Kreuzweg_Kinder.pdf

Am 08.04. um ca. 15 Uhr (+/- 10min) starten wir unser Video, sodass ihr die Kreuzwegandacht direkt aus der Pfarrkirche mitverfolgen könnt. Den Link zum Video findet ihr ab etwa 14.55 Uhr auf dieser Seite, alternativ gelangt über bit.ly/pg_engelberg direkt auf unseren YouTube-Kanal. 

HIER GEHT'S ZUM VIDEO (HIER KLICKEN)

Wir wünschen uns allen eine schöne Kreuzwegandacht!

Euer Gottesdienst-Team 

Jakob Link (Gottesdienstleiter), Robin Ziegler (Lektor) und Michael Endres (Organist) 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Am 4. April 1968 fiel auf auf dem Balkon seines Motels in Memphis, Tennessee, Martin Luther King einem Attentat zum Opfer. Der Pfarrer einer Baptistengemeinde war während der Bürgerrechtsbewegung in den USA der Vorreiter des gewaltfreien Widerstandes geworden. Mit seinen Predigten und Demonstrationen setzte er Zeichen gegen die Rassendiskriminierung. Am bekanntesten dürfte der „Marsch auf Washington “ am 28. August 1963 gewesen sein, bei dem Martin Luther King seine berühmte Rede hielt „I have a dream - Ich habe einen Traum“. Um die 250.000 Menschen, darunter 60.000 Weiße, hatten sich versammelt, um friedlich für die Bürgerrechtsgesetzgebung Präsident Kennedys zu demonstrieren.

Eine große Menschenmenge kommt zusammen in der Hoffnung auf Besserung der Zustände. Ein einzelner Mann scheint sie anzuführen, auf ihn setzen die Menschen diese ihre Hoffnung. Das Bild kommt uns bekannt vor, wenn wir auf den Beginn der Heiligen Woche schauen: Wie in jedem Jahr denken wir an den Einzug Jesu in Jerusalem. Unzählige Menschen haben sich in den engen Gassen der Stadt versammelt. Sie alle leiden unter der Macht, die seit geraumer Zeit ihr Volk in Schach hält. Statt ihre Freiheit zu genießen, wie sie es als stolze Nation gewohnt sind, werden sie unterdrückt, müssen sich den Regeln von Fremden unterwerfen. Jetzt aber haben die Einwohner Jerusalems von einem gehört, der als „Messias“, als „Retter“, als „neuer König“ angepriesen wird. Sollte er die (Er-)Lösung von all dem sein?

So kommen die Menschen zusammen am Stadttor. Sie bringen ihre Verzweiflung mit, ihre Hoffnung und Sehnsucht, ihre Ungeduld und ihre Erwartungen. Alles legen sie hinein in die lauten Rufe: „Hosianna dem Sohne Davids!“ „Hosianna“ - „Hilf doch!“, so rufen sie.Liebe Schwestern, liebe Brüder, am Beginn dieser besonderen Heiligen Woche im Jahr 2020 möchten wir vielleicht auch einfach mal diesen Ruf hinausschreien: „Hosianna - hilf doch!“ Vielleicht können wir in diesen Tagen besser als sonst mit dem Volk Israel fühlen. Zugleich wissen wir, dass die Erwartungen der Leute von damals enttäuscht wurden, weil sie sich die Lösung ihrer Probleme anders vorgestellt hatten als Gott. Gottes Plan war nicht, die Besatzer mit Gewalt zu stürzen und mit Jesus einfach einen neuen Herrscher über das Land zu installieren. Gottes Plan war, die Gewalt durch Liebe ad absurdum zu führen.

Diese Einstellung fordert Umdenken. Sie erfordert eine demütige und geduldige Haltung. Sie erfordert tiefes Vertrauen darauf, dass Gott die Kraft zum Durchhalten schenkt.Von Martin Luther King stammt der Ausspruch: „Der christliche Glaube gibt uns die Kraft, tapfer zu tragen, was wir nicht ändern können. Enttäuschungen und Sorgen gelassen auf uns zu nehmen, ohne je die Hoffnung zu verlieren.“

Liebe Brüder und Schwestern, ich wünsche uns, dass wir mit dieser inneren Einstellung - bildlich gesprochen - am Straßenrand stehen und Jesus erwarten können. Rufen wir ihm das „Hosianna“ zu - als Lob- und Hilferuf zugleich, im Vertrauen darauf, dass er an unserer Seite ist.

Eine gesegnete Heilige Woche wünscht Ihnen

Ihre Pastoralreferentin Kerstin Gerlach

Die Lesungen und das Evangelium vom Palmsonntag stehen Ihnen zum Download zur Verfügung:

 

Liebe Brüder und Schwestern,

jeden Tag hören, sehen, lesen wir in den Medien von Tod und Bedrohung des Lebens. Wenn wir ehrlich sind, haben wir uns aus einer Art Selbstschutz bereits daran gewöhnt. Aber seit ein paar Wochen ist es anders: Die Bedrohung für Leib und Leben ist auch hier bei uns, in Deutschland, in unserem Bundesland, in unserem Landkreis. Wir sind wieder aufmerksamer geworden für die Zerbrechlichkeit des Lebens und für seinen Wert. Die Spannung von Leben und Tod steht auch im Mittelpunkt der Lesungstexte vom heutigen fünften Fastensonntag.

Der Prophet Ezechiel hat im sechsten Jahrhundert vor Christus eine Vision davon, wie Gott alle Gräber öffnet, dem Volk seinen Geist einhaucht und es wieder heim in sein Land bringt. In der damaligen Zeit kannte man im Judentum das noch nicht, was wir Christen unter Auferstehungsglaube verstehen. Diese großartige Vision bezieht sich auf die Rettung des Volkes Israel aus dem Babylonischen Exil. Zwischen 537 und 587 waren die Israeliten gefangen und unter das fremde Volk zerstreut, waren wie Tote in den Gräbern. Doch Gott errettet sein Volk: Er öffnet die Gräber und führt sein Volk heim in sein Land. Er gibt ihm die Hoffnung und das Leben zurück. Erst später wurde die Vision des Ezechiel auch auf die Auferstehung der Toten und somit auf Jesus hin gedeutet.

Im Johannes-Evangelium lesen wir von der Auferweckungsgeschichte schlechthin: Lazarus. Während seines öffentlichen Wirkens hat Jesus viele Wunder getan, darunter auch einige Tote wieder ins Leben zurückgerufen. Aber kein einziges Mal wird so ausführlich darüber berichtet wie bei Johannes. Die Geschichte über Lazarus ist die zeichenhafte Vorwegnahme der eigenen Geschichte Jesu. Als Jesus vom Tode seines Freundes erfährt und sich nicht sofort auf den Weg zu Maria und Marta macht, geschieht das nicht aus irgendeiner Laune heraus. Nicht umsonst sagt er: „Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt.“ Jesus liebt seine Freunde und weiß, wie schwer der Weg sein wird, den sie alle zusammen gehen müssen, wenn er stirbt. Deshalb will er sie darauf vorbereiten. Er selbst spürt den tiefen Schmerz des Verlustes, er weint mit Maria und Marta um seinen toten Freund - so wie später alle um ihn weinen werden. Aber in diesem Moment kann Jesus zeigen, was mit ihm geschehen wird: Er betet zum Vater und ruft Lazarus aus dem Grab zurück ins Leben. Viele Menschen kommen zum Glauben an Jesus. Seine Worte „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ bekommen ihre wahre Bedeutung: Jesus ist stärker als der irdische Tod.

Diesen hoffnungsvollen Glauben verkündet später der Apostel Paulus freudig in seinem Brief an die Römer: „Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.“

Liebe Schwestern und Brüder, in einer Zeit, die manchmal die Hoffnung zu rauben scheint, richtet uns der Glaube an Jesus auf. Er richtet uns auf uns führt uns heraus aus Lethargie und Resignation, zurück ins Leben, aus Dunkelheit zurück ins Licht. Die heutigen Lesungstexte sind über Jahrtausende hinweg Zeugnisse, dass Gott ein Freund des Lebens ist und dass in seiner Nähe das Leben wohnt. Ein ganzes Volk war in Angst - Gott führte es zurück ins Leben; eine Familie war in Trauer - Gott führte sie zurück ins Leben. Jeder und jede Einzelne von uns trägt Gottes lebensspendenden Geist in sich - wir alle werden von ihm zum Leben geführt. Denn so spricht Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“

Einen Sonntag voller Freude am Leben wünscht Ihnen

Ihre Pastoralreferentin Kerstin Gerlach

Die Lesungen und das Evangelium vom Fünften Fastensonntag stehen Ihnen zum Download zur Verfügung:

 

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