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Liebe Brüder und Schwestern,

jeden Tag hören, sehen, lesen wir in den Medien von Tod und Bedrohung des Lebens. Wenn wir ehrlich sind, haben wir uns aus einer Art Selbstschutz bereits daran gewöhnt. Aber seit ein paar Wochen ist es anders: Die Bedrohung für Leib und Leben ist auch hier bei uns, in Deutschland, in unserem Bundesland, in unserem Landkreis. Wir sind wieder aufmerksamer geworden für die Zerbrechlichkeit des Lebens und für seinen Wert. Die Spannung von Leben und Tod steht auch im Mittelpunkt der Lesungstexte vom heutigen fünften Fastensonntag.

Der Prophet Ezechiel hat im sechsten Jahrhundert vor Christus eine Vision davon, wie Gott alle Gräber öffnet, dem Volk seinen Geist einhaucht und es wieder heim in sein Land bringt. In der damaligen Zeit kannte man im Judentum das noch nicht, was wir Christen unter Auferstehungsglaube verstehen. Diese großartige Vision bezieht sich auf die Rettung des Volkes Israel aus dem Babylonischen Exil. Zwischen 537 und 587 waren die Israeliten gefangen und unter das fremde Volk zerstreut, waren wie Tote in den Gräbern. Doch Gott errettet sein Volk: Er öffnet die Gräber und führt sein Volk heim in sein Land. Er gibt ihm die Hoffnung und das Leben zurück. Erst später wurde die Vision des Ezechiel auch auf die Auferstehung der Toten und somit auf Jesus hin gedeutet.

Im Johannes-Evangelium lesen wir von der Auferweckungsgeschichte schlechthin: Lazarus. Während seines öffentlichen Wirkens hat Jesus viele Wunder getan, darunter auch einige Tote wieder ins Leben zurückgerufen. Aber kein einziges Mal wird so ausführlich darüber berichtet wie bei Johannes. Die Geschichte über Lazarus ist die zeichenhafte Vorwegnahme der eigenen Geschichte Jesu. Als Jesus vom Tode seines Freundes erfährt und sich nicht sofort auf den Weg zu Maria und Marta macht, geschieht das nicht aus irgendeiner Laune heraus. Nicht umsonst sagt er: „Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt.“ Jesus liebt seine Freunde und weiß, wie schwer der Weg sein wird, den sie alle zusammen gehen müssen, wenn er stirbt. Deshalb will er sie darauf vorbereiten. Er selbst spürt den tiefen Schmerz des Verlustes, er weint mit Maria und Marta um seinen toten Freund - so wie später alle um ihn weinen werden. Aber in diesem Moment kann Jesus zeigen, was mit ihm geschehen wird: Er betet zum Vater und ruft Lazarus aus dem Grab zurück ins Leben. Viele Menschen kommen zum Glauben an Jesus. Seine Worte „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ bekommen ihre wahre Bedeutung: Jesus ist stärker als der irdische Tod.

Diesen hoffnungsvollen Glauben verkündet später der Apostel Paulus freudig in seinem Brief an die Römer: „Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.“

Liebe Schwestern und Brüder, in einer Zeit, die manchmal die Hoffnung zu rauben scheint, richtet uns der Glaube an Jesus auf. Er richtet uns auf uns führt uns heraus aus Lethargie und Resignation, zurück ins Leben, aus Dunkelheit zurück ins Licht. Die heutigen Lesungstexte sind über Jahrtausende hinweg Zeugnisse, dass Gott ein Freund des Lebens ist und dass in seiner Nähe das Leben wohnt. Ein ganzes Volk war in Angst - Gott führte es zurück ins Leben; eine Familie war in Trauer - Gott führte sie zurück ins Leben. Jeder und jede Einzelne von uns trägt Gottes lebensspendenden Geist in sich - wir alle werden von ihm zum Leben geführt. Denn so spricht Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“

Einen Sonntag voller Freude am Leben wünscht Ihnen

Ihre Pastoralreferentin Kerstin Gerlach

Die Lesungen und das Evangelium vom Fünften Fastensonntag stehen Ihnen zum Download zur Verfügung:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Am 27. März gedenkt die Kirche eines ihrer größten Mystiker: Meister Eckhart. Meister Eckhart stammte wohl aus einem Rittergeschlecht, wurde recht jung Dominikaner und studierte Theologie. Mit seinen Predigten erlangte er zwar Ruhm, doch erntete er auch viel Kritik von Seiten der offiziellen Lehre der Kirche. Sein Hauptanliegen war das Einswerden der menschlichen Seele mit Gott, die sogenannte „Unio mystica“.In seiner Predigt „Vom innersten Grunde“ schreibt er: „Wo die Kreatur endet, da beginnt Gott zu sein. Nun begehrt Gott nichts anderes von dir, als dass du aus dir selbst (...) hinausgehst, und Gott Gott in dir sein lassest.“ Für Meister Eckhart war es wichtig, dass der Mensch sich völlig frei macht für das Wirken Gottes, ja für Gott selbst. Dies sollte jedoch kein Selbstzweck bleiben, sondern immer auf das Handeln zum Wohle am Nächsten ausgerichtet sein.

Die tiefe Mystik Meister Eckharts zu entdecken und zu erfahren kann zur Lebensaufgabe werden. Dennoch ist sie aktuell und alltagstauglich: Es ist die Nachfolge Jesu, wenn ich mich für Gott und sein Wort mehr öffne als für die Verlockungen und FakeNews der Welt; wenn ich mich mehr auf Gott verlasse als mein Ego in den Mittelpunkt zu rücken.Von der amerikanischen Kinderärztin und Autorin Rachel Naomi Remen stammt eine Geschichte, die - wie ich meine - recht gut verdeutlicht, wie es gehen kann, Gott ganz in sich wirken zu lassen:

„Wie schwer ist es doch, jung zu sein, sagte Father O‘ Shea zu mir. Ich lachte und fragte, was er damit meine. Mit blitzenden Augen erzählte er mir von der ersten Patientin, zu der man ihn als Krankenhausgeistlichen gerufen hatte. Noch sehr jung und voller Eifer zu dienen, war er an das Krankenlager einer Frau gegangen, die am nächsten Tag einer schweren Operation unterzogen werden sollte. Sie hatte steif vor Angst in ihrem Bett gelegen. Kaum hatte er einen Stuhl herangezogen und sich zu ihr gesetzt, da sagte sie auch schon. „Father, ich habe das Gefühl, das ich morgen sterben werde.

“Während seiner Ausbildung war er auf solch eine Situation nicht vorbereitet worden, und nun saß er da und hatte absolut keine Ahnung, wie er darauf reagieren sollte. Um seine Verwirrung zu überprüfen, ergriff er erstmal ihre Hand und hielt sie fest. Da begann sie zu erzählen. Er hörte ihr kaum zu; immer noch ihre Hand haltend, suchte er in seinem Gedächtnis krampfhaft nach irgendwelchen Worten des Trostes aus der christlichen Tradition, nach Aussprüchen von Thomas Merton, Teresa von Avila oder Jesus. Als er den Raum betreten hatte, waren sie ihm noch alle präsent; aber nun waren sie wie weggewischt.

Die Frau sprach immer weiter und weinte auch ein wenig und sein Herz öffnete sich für sie in ihrer Todesfurcht. Schließlich schloss sie die Augen und er benutzte diese Gelegenheit, um Gott um Hilfe zu bitten, um die Worte, die ihm fehlten. Doch ihm fiel nicht das Geringste ein. Endlich schlief sie einfach ein und er ging, besiegt und überzeugt, nicht das Zeug zum Priester zu haben. Den Rest des Tages und die ganze Nacht hatte er damit verbracht, sich schmerzlich Gedanken über seine Unzulänglichkeit und über seine Berufung zu machen. Er hatte sich zu sehr geschämt, um die Frau noch einmal aufzusuchen.

Doch einige Wochen später hatte er einen Brief von ihr erhalten, in dem sie sich für all die wundervollen Dinge bedankte, die er während seines Besuches getan hatte, und ganz be-sonders für die wunderbaren Dinge, die er zu ihr gesagt hatte, die Worte des Trostes und der Weisheit. Sie würde sie niemals vergessen. Und dann zitierte sie ausführlich, was sie ihn hatte sagen hören.

Father O‘ Shea begann zu lachen, und ich musste ebenfalls lachen. „Das ist schon so lange her“, sagte er immer noch lachend. „Gott sei Dank, dass wir nie wieder so jung sein können.“ Er hielt inne, um sich die Augen zu wischen. Wissen sie, Rachel, sagte er dann, im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass Gott, wenn ich darum bete, jemandem dienen zu können, manchmal Ja sagt und manchmal Nein - und sehr oft auch: Geh mal zur Seite Patrick. Ich mache das selber.“

Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir öfter den Mut haben, Gott Platz zu machen, damit Er durch uns wirken kann. Mein Eindruck aus den vergangenen Tagen und Wochen ist, dass dies schon an vielen Stellen der Fall ist - es passiert viel Gutes in einer schwierigen Zeit. Allen dafür herzlichen Dank und Gottes Segen,

Ihre Pastoralreferentin

Kerstin Gerlach

Die Geschichte ist dem sehr lesenswerten Buch „Jenseits von Worten“ von Rachel Naomi Remen entnommen.

Liebe Schwestern und Brüder,

die Worte der Tageslesung vom heutigen Dienstag haben mir gut getan und mit erneut gezeigt, wie ermutigend unsere Heilige Schrift doch ist. Daher möchte ich meine Gedanken mit Ihnen/euch teilen.

Die Lesung ist dem 47. Kapitel des Ezechiel-Buches entnommen. In früheren Visionen hat der Prophet gesehen, wie Jahwe aus dem Tempel von Jerusalem auszog und später wieder in den neuerbauten Tempel zurückkehrte. In dieser Vision von der „Tempelquelle“ erfährt Ezechiel nun, dass alles Heil vom Tempel, also von Jahwe ausgeht. Das Wasser wird dabei zum Symbol des Lebens.

Hier nun die Lesung, Sie finden den im Buch Ezechiel, Kapitel 47, Verse 1-9 und 12.

1Der Mann, der mich begleitete, führte mich zum Eingang des Tempels zurück, und ich sah, wie unter der Tempelschwelle Wasser hervorströmte und nach Osten floss; denn die vordere Seite des Tempels schaute nach Osten. Das Wasser floss unterhalb der rechten Seite des Tempels herab, südlich vom Altar.

2Dann führte er mich durch das Nordtor hinaus und ließ mich außen herum zum äußeren Osttor gehen. Und ich sah das Wasser an der Südseite hervorrieseln.

3Der Mann ging nach Osten hinaus, mit der Messschnur in der Hand, maß tausend Ellen ab und ließ mich durch das Wasser gehen; das Wasser reichte mir bis an die Knöchel.

4Dann maß er wieder tausend Ellen ab und ließ mich durch das Wasser gehen; das Wasser reichte mir bis zu den Knien. Darauf maß er wieder tausend Ellen ab und ließ mich hindurchgehen; das Wasser ging mir bis an die Hüften.

5Und er maß noch einmal tausend Ellen ab. Da war es ein Fluss, den ich nicht mehr durchschreiten konnte; denn das Wasser war tief, ein Wasser, durch das man schwimmen musste, ein Fluss, den man nicht mehr durchschreiten konnte.

6Dann fragte er mich: Hast du es gesehen, Menschensohn? Darauf führte er mich zurück, am Ufer des Flusses entlang.

7Als ich zurückging, sah ich an beiden Ufern des Flusses sehr viele Bäume.

8Er sagte zu mir: Dieses Wasser fließt in den östlichen Bezirk, es strömt in die Araba hinab und läuft in das Meer, in das Meer mit dem salzigen Wasser. So wird das salzige Wasser gesund.

9Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können, und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden die Fluten gesund; wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben.

12An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen. Ihr Laub wird nicht welken, und sie werden nie ohne Frucht sein. Jeden Monat tragen sie frische Früchte; denn das Wasser des Flusses kommt aus dem Heiligtum. Die Früchte werden als Speise und die Blätter als Heilmittel dienen.

Wasser kennen wir aus dem alten Testament nicht nur als positives Ereignis. Oft kommt uns dabei zuerst die große Flut in den Sinn, die alles Leben zerstört (vgl. Gen 6f). Hier wird das Wasser hingegen zur Quelle des Lebens. Es durchströmt das Land, reinigt und heilt es sogar. In seiner Vision merkt Ezechiel, wie dieses Lebenswasser immer mehr steigt, bis er als gewaltiger Strom das Meer erreicht hat.

Liebe Schwestern und Brüder, für mich ist dieses Bild auch ein Bild für unseren Glauben. So wie sich Ezechiel an den Tempel heranführen lässt, um die Quelle zu entdecken - so kann ich mich von Gott immer wieder neu in seine Nähe führen lassen, um Ihn zu entdecken als Quelle meines Glaubens. So wie Ezechiel den Lauf des Wassers verfolgen kann, wie es ansteigt und zur Grundlage des Lebens für das Land wird - so kann auch ich jeden Tag auf Gottes Wort hören und verfolgen, wie es Grundlage meines Lebens ist und immer mehr wird. So wie Ezechiel erkennt, dass dieses Lebenswasser reinigend und heilbringend ist - so kann auch ich mich auf Gottes Liebe einlassen, die mich innerlich reinigt und mein Heil will. Die Quelle entspringt aus dem Tempel, das heißt sie kommt direkt von Gott.

Die Quelle versiegt nicht, im Gegenteil: Sie wird immer stärker, zum wallenden Fluss, zum gewaltigen Strom, zum unendlichen Meer. Lassen wir uns davon zu Beginn dieser Woche ermutigen und schöpfen wir Zuversicht aus dem Lebenswasser unseres Glaubens, das Gott uns jeden Tag aufs Neue schenkt!

Eine gute, gesunde und heilsame Woche wünscht Ihnen 

Pastoralreferentin Kerstin Gerlach

 

 

 

 

Auf dieser Seite werden wir in der kommenden Zeit Impulse für Gebet, Meditation und Besinnung für Sie zusammenstellen.

Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen - nachdem wir uns in der Kirche nicht mehr zum gemeinsamen Gottesdienst versammeln können, liegt es an uns, offen zu werden für neue Wege, wie wir den christlichen Glauben in diesen Zeiten leben können.

Ein solcher Weg kann das Mitfeiern von Gottesdiensten im Internet oder Fernsehen sein. Damit Sie dennoch nicht auf das vertraute Umfeld Ihrer Pfarrkirche und auf bekannte Stimmen verzichten müssen, bringen wir die Kirche zu Ihnen nach Hause und laden Sie ein, unser virtuelles Gottesdienstangebot zu nutzen. In den kommenden Wochen werden Sie auf dieser Seite noch viele weitere Wort-Gottes-Feiern, Andachten und Impulse finden. Wir freuen uns sehr, wenn Sie uns im gemeinsamen Gebet begleiten.

Klicken Sie auf die unten gelisteten Angebote, um zum Video zu gelangen.

MORGENIMPULS II

NOVENE ZUM HEILIGEN SEBASTIAN

WORT-GOTTES-FEIER ZU "VERKÜNDIGUNG DES HERRN" 

MORGENIMPULS

KREUZWEGANDACHT

WORT-GOTTES-FEIER ZUM JOSEFSTAG

ABENDIMPULS AM VIERTEN FASTENSONNTAG

 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Wer von uns blickt momentan eigentlich noch richtig durch? Die Bundesregierung? Das Robert-Koch-Institut? Das Gesundheitsamt? Wenn alle ehrlich sind, dann wahrscheinlich keiner so wirklich. Jede Behörde, jeder Mediziner tut das, was in seiner Macht steht, um mit dieser uns absolut unbekannten Situation so sinnvoll wie möglich umzugehen. Es ist an der Zeit sich einzugestehen, dass wir Menschen manchmal den Durchblick verlieren.

Kein Grund aufzugeben! Kein Grund in Panik zu verfallen! Kein Grund, sich als Versager zu fühlen! Akzeptieren und weitermachen - aber anders. Den Durchblick erlangen wir nicht wieder in Alleingängen, sondern in der Solidarität, die jetzt von uns gefordert wird. Den Durchblick verloren haben schon andere vor uns, gescheite Menschen, sogar Propheten, denen man zutraute, alles zu wissen. So sollte zum Beispiel im elften Jahrhundert vor Christus der berühmte Samuel den nächsten König für Israel auswählen. Voller Tatendrang und Überzeugung suchte er Isai auf, um unter dessen Söhnen den von Gott Erwählten zu finden. Samuel konzentrierte sich auf die Kräftigsten und Attraktivsten. Dabei merkte er gar nicht, dass Gott einen Anderen im Sinn hatte: „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ (1 Sam 16,7) Und so wird der zunächst unscheinbare David zum größten König Israels gekürt. Samuel hat sich von Gott neuen Durchblick verschaffen lassen. Auch im Evangelium geht es darum, den richtigen Durchblick zu erlangen, und zwar gleich auf mehreren Ebenen. Jesus begegnet einem Blindgeborenen. Dieser Mann hat also noch nie sehen können - im Wortsinn.

Aber es gibt noch andere, die im übertragenen Sinne nicht klar sehen. Manche Leute denken, die angeborene Blindheit sei eine Frage von Schuld und folgender Strafe Gottes. Diesen Verdacht schafft Jesus sofort aus der Welt. Einen derart kleinlichen Gott verkündet er nicht. Nach der Heilung beschimpfen ihn die Pharisäer, weil alles an einem Sabbat geschah. Wie so oft übersehen sie das Wesentliche und klammern sich an Gesetze - nur um sich nicht dem Neuen öffnen zu müssen, das Jesus mit sich bringt. Auch Nachbarn und Eltern sind verwirrt über das Geschehen. Ob sie den Durchblick bekommen, bleibt offen. Vielleicht schafft es der Geheilte später durch sein Zeugnis, denn er wird zum Verkünder: „Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor Jesus nieder.“ (Joh 9,38) Dem Blindgeborenen wird in zweierlei Hinsicht der Durchblick geschenkt.Durch Jesus und den Glauben an ihn geschieht all dies. Und so kann auch der Völkerapostel Paulus an seine Gemeinde in Ephesus schreiben: „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor...und Christus wird dein Licht sein.“ (Eph 5,8+9.14)

Liebe Schwestern, liebe Brüder, dieses Licht des Glaubens, der Güte, der Gerechtigkeit und Wahrheit wünsche ich uns allen in diesen Tagen! Lassen wir uns davon leiten im Umgang miteinander - auch auf die Distanz und in der Gemeinschaft unserer Gemeinden, unseres Landes, unserer Welt.

 

Beten wir um dieses Licht und um den Durchblick, den es schaffen kann.

Herr unser Gott, du hast David, den Unerwarteten, zum König über dein Volk erwählt. Du hast dem Blindgeborenen die Augen geöffnet und zu deinem Jünger gemacht.

In diesen Tagen der Unsicherheit kommen wir zu dir und bitten dich: Öffne auch unsere Augen für deine Gegenwart in unserer Welt.

Lass uns deine Nähe spüren,die du uns niemals entziehst.

Schenke allen Wissenschaftlern deinen Geist,damit sie Wege zur Bekämpfung der Bedrohung finden.

Stärke alle Mediziner und das Pflegepersonal, damit sie ihren Beruf zum Wohl aller ausüben können.

Lass dein Licht leuchten in unser aller Herzen, damit wir zuversichtlich unseren Weg weitergehen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

 

Einen gesegneten vierten Fastensonntag wünscht Ihnen

Ihre Pastoralreferentin Kerstin Gerlach

 

Die Lesungen und das Evangelium vom Vierten Fastensonntag stehen Ihnen zum Download zur Verfügung:

 

Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Informationen zum Umgang mit dem Coronavirus in der Pfarreiengemeinschaft "Am Engelberg".

AKTUALISIERUNG 16.03.2020, 14.40 Uhr: Auf ein Dekret von Bischof Dr. Franz Jung hin werden ab Dienstag, 17.03., alle Gottesdienste und liturgischen Feiern im gesamten Bistum Würzburg und somit auch in der Pfarreiengemeinschaft "Am Engelberg" ausfallen. Tauffeiern und Trauungen werden verschoben, Beisetzungen dürfen nur im engsten Familienkreis stattfinden.

Wir weisen Sie außerdem darauf hin, dass die Pfarrbüros bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen sind. Bitte nutzen Sie die Kontaktmöglichkeiten per Telefon oder E-Mail.

 

Auch ohne regelmäßige Gottesdienste in unserer Pfarreiengemeinschaft sind Sie in dieser Zeit nicht alleine! Wir haben Ihnen einige Möglichkeiten zusammengestellt, wie Sie auch weiterhin an Gottesdiensten und am christlichen Leben teilhaben und seelsorglichen Beistand erfahren können. Nutzen Sie gerne unser virtuelles Gottesdienst-Angebot, zu welchem Sie HIER genaue Informationen erhalten.

Machen Sie auch von folgenden Angeboten Gebrauch:

 

„Du wirst Zeit haben. Zum ersten Mal in deinem Leben wirst du Zeit haben, um herauszufinden, was du wirklich willst“.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wünschen Sie sich das nicht auch so manches Mal? Um ehrlich zu sein, so schön diese Vorstellung auch klingt, so utopisch ist sie doch. Unser Alltag ist voll durchgeplant, sei es durch die Schule, die Arbeit oder andere Verpflichtungen, die wir uns teilweise auch selbst zugeschrieben haben. Oft finden wir zwar darin Erfüllung, ebenso oft geht es uns aber genauso wie wir es eben gesehen haben: So richtig glücklich werden wir bei unserem Tun nicht. Was wir aber wahrscheinlich niemals machen würden: Das zugeben. Wir sind so sehr darauf getrimmt, abzuliefern, zu leisten und den Erwartungen zu entsprechen, die an uns gestellt werden. Dass das alles nur eine Lösung auf Zeit ist, das ist uns oft gar nicht bewusst. Dabei ist nichts so unbeständig wie die Zeit. Denn die Zeit vergeht schnell. Im Grunde ist schon jedes kleine Stocken des Sekundenzeigers eine Lüge, denn die Zeit wird niemals stillstehen. Auf Hoch-Zeiten folgen Tiefs, mal vergeht die Zeit wie im Fluge, mal fühlen sich Minuten wie Stunden und Monate wie Jahre an. Und doch wird nichts mehr wieder genau so sein, wie es war: Jeder Zeit-Punkt ist einmalig, und deswegen ist es jeder Moment wert, voll ausgekostet zu werden.

„Meine Zeit steht in Gottes Händen“, mit diesen Worten beginnt ein Lied aus dem neuen Gotteslob. Aber vielleicht haben Sie noch gar nicht so wirklich darüber nachgedacht, was das eigentlich bedeuten. Der Glaube kann uns Antworten darauf geben: Gott ist es, dem wir unsere Zeit anvertrauen können und mehr noch, der uns die Zeit schenkt, die wir brauchen. Ja und manchmal, da legt er seine Hand auf unsere Schultern und spricht „Das was du wirklich bist, das wird hier völlig unterdrückt!“. Ja, Gott ist es, der möchte, dass wir das bestmögliche aus unserem Leben machen, schließlich hat er es uns geschenkt! Dazu gehört es auch, dass er uns auf den Boden der Tatsachen zurückholt, wenn wir uns zu viel zumuten und nur noch darauf aus sind, dem zu entsprechen, was andere von uns erwarten und dabei völlig außer Acht lassen, dass wir keine Alleskönner sind und dass es mehr als Geld, Arbeit und Leistung gibt, worauf es im Leben ankommt.

Wir können es im Buch Kohelet lesen: Es gibt für alles eine Zeit. Es gibt eine Zeit, die wir in der Gemeinschaft verbringen sollen, aber es gibt eben auch Momente, die wir ganz uns selbst widmen dürfen. Die Balance dazwischen zu halten, das ist gewiss nicht einfach! Gott möchte uns nicht zu Egozentrikern machen, aber möchte eben auch nicht, dass wir einfach in der Masse mitschwimmen, so, als hätten wir keinen eigenen Willen. Wir sind Ebenbilder Gottes, und dazu gehört, dass er uns die Kraft gegeben hat, nicht nur Menschen, sondern Persönlichkeiten zu sein!

„Wieso eigentlich nicht?“ - wenn wir vor dieser Frage stehen, dann dürfen wir auf unseren Schöpfer, auf Gott vertrauen. Er hat uns nicht in diese Welt hineingeworfen und gesagt „Seht selbst zu, wie ihr hier klarkommt“. Als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott unser Leben, ja, unsere Zeit in seinen Händen hält, dass er uns zuspricht „Du bist das Schönste und Wunderbarste, das es auf dieser Welt gibt“, damit schenkt er uns Mut und Kraft - genau die Dinge, die es braucht, wenn die Zeiten schwer werden, wenn wir uns nach Veränderung sehnen, wenn wir aus dem grauen Alltag ausbrechen und einfach mal das tun wollen, was uns wirklich glücklich macht. 

Liebe Leserinnen, liebe Leser: Lassen wir uns von dieser Energie, die uns der Glaube bringt, im neuen Jahr ganz bewusst anstecken und mitreißen. Vertrauen wir darauf, dass Gott uns Kraft und Mut gibt, damit wir zu uns selbst und zu dem, wonach wir uns wirklich sehnen, finden mögen. Und wenn wir einen ganz konkreten Wunsch vor Augen haben, dann wollen wir ihn auch verwirklichen - denn wieso eigentlich nicht?

Ihr

Jakob Link

(aus der Stay&Pray-Andacht vom 09.02.2020)

25 Jahre Einsatz für Laudenbacher Kirchengemeinde Pfarreiengemeinschaft „Am Engelberg“: Kirchenpfleger Harald Hauk erhält Dankurkunde des Bischofs

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

bei den Vorbereitungen für einen Familiengottesdienst mit unseren Erstkommunionkindern bin ich auf eine alternative Deutung der vier Kerzen am Adventskranz gestoßen, die sich sehr gut in Einklang mit unserer Lebensrealität bringen lässt und das, worauf es im Glauben eigentlich ankommt, auf einer metaphorischen Ebene und doch ganz plastisch und pointiert darstellt. 

So steht die erste Kerze für den Frieden. Auf unserem Kontinent ist es in der heutigen Zeit nahezu selbstverständlich, dass diese Kerze fortwährend brennt und nicht zu erlöschen droht - zumindest auf den ersten Blick. Wer ganz nah hinschaut, der wird feststellen, dass es doch ab und an Momente gibt, in denen die kleine Flamme unruhig wird und ein kleiner Windhauch genügt, um sie endgültig verschwinden zu lassen. Diesen Windhauch bekommen wir auch - und vielleicht gerade - in unserer modernen Welt öfter zu spüren, als uns das lieb ist. Die Erfahrung von Mobbing in der Schule oder am Arbeitsplatz ist vielen Menschen nur allzu vertraut und wenn wir einmal ganz ehrlich sind, gibt es in unserem Umfeld mit ziemlicher Sicherheit den ein oder anderen Konflikt, an dem auch wir selbst nicht ganz unbeteiligt sind oder waren. Und somit ist die Kerze des Friedens in ständiger Gefahr, von uns selbst ausgelöscht zu werden - denn nur ein kleiner Windhauch, eine vielleicht als harmlos eingeschätzte Streiterei oder ein vorschnelles Urteil genügen, um die kleine und ungeschützte Flamme in Rauch zu verwandeln, bis schließlich nichts mehr von ihr zu sehen ist. 

Die zweite Kerze steht für das Vertrauen. Vertrauen ist sehr wichtig im Leben, denn einem Menschen ganz und gar vertrauen zu können, das ist ein wirklich unfassbar großes Geschenk. Wenn man sich hundertprozentig aufeinander verlassen kann, dann ist das ein immenser Gewinn. Aber nicht nur einander können wir vertrauen, sondern auch uns selbst. Jeder von uns hat Talente und Begabungen, Dinge, die man besonders gut kann. Da dürfen wir auch auf uns selbst vertrauen, dass wir gut so sind, wie wir sind. Ein solches "blindes Vertrauen" ist sehr schön, wenn es gelingt. Rufen wir uns nun wieder die Wirklichkeit vor Augen, so kennen wir die Erfahrung, dass Vertrauen ausgenutzt oder ein Versprechen gebrochen wird, nur allzu gut. Da werden uns allerlei Aufgaben und Verpflichtungen anvertraut, und manchmal fühlen wir uns diesen gar nicht gewachsen. Dann wiederum will uns jeder in sein Vertrauen ziehen, und ab und an mutet man uns dabei viel zu viel zu. Schließlich müssen wir Enttäuschungen miterleben, wenn Vertrauen mit Füßen getreten wird. Und wäre das nicht schon genug, so bekommen wir mal mehr, mal weniger oft zu hören, dass wir etwas nicht gut können, dass "die anderen" das besser machen. Da wird unser hart aufgebautes Selbstvertrauen ganz schön brüchig, und auch unserer "Vertrauens-Kerze" tun diese Rückschläge alles andere als gut - unsere Lebenswirklichkeit, die so manches Mal mehr einem tosenden Sturm als einem Windhauch gleicht, lässt auch diese Kerze erlöschen. 

Die dritte Kerze symbolisiert die Liebe. Sie spricht von dem, was Jesus den Menschen gepredigt hat. Er hat gesagt: „Liebe deinen nächsten wie dich selbst!“. Dieser Satz Jesu ist für viele Glaubende Ansporn zur Nächstenliebe geworden. Viele Menschen sind ehrenamtlich in unseren Gemeinden für andere tätig, beispielsweise durch Besuche bei Einsamen und Kranken, in der Seelsorge, im Einsatz für Hilfsbedürftige und vieles andere mehr. Es geschieht viel, und das ist gut so. Aber ich halte dagegen: Das alles ist viel zu wenig, verglichen mit dem, was es in unserer Gesellschaft an Negativem gibt. Phrasen wie "soziale Kälte" klingen beim ersten Hören recht abstrakt und es fällt uns schwer, derartige Formulierungen mit unseren täglichen Erfahrungen in Einklang zu bringen. Aber wenn wir uns einmal der Worte Jesu bewusst werden und uns die Frage stellen, wie oft wir es erleben, dass unsere Mitmenschen "uns lieben, wie sich selbst", dann stellen wir fest, dass unsere Gesellschaft nicht nur kalt, sondern nahezu eisig ist. Die wärmende Liebe fehlt, ein jeder ist auf möglichst viel Leistung getrimmt, die emotionale Komponente bleibt völlig außer Acht. Die so oft gepredigte christliche Nächstenliebe sucht man in unserer Zeit vergeblich, sie ist nur in Worten existent und verfliegt schnell, so schnell wie die Flamme der "Liebes-Kerze", die angesichts unseres tristen, grauen Alltags nicht länger brennen kann. 

Von den vier Kerzen bleibt nunmehr eine einzige übrig. Diese letzte Kerze ist die Kerze des Glaubens, und diese Kerze wird niemals erlöschen - denn es gibt keinen Grund dazu. Die anderen Kerzen brennen nicht mehr, weil es einen Grund dafür gab. Und genau genommen war es immer der gleiche Grund: Es war der Blick auf die harte Realität. Es war immer der Blick auf das Negative, auf das Schlechte, der dazu geführt hat, dass die Kerzen ausgelöscht wurden. Damit wird eines ganz deutlich: Es wird deutlich, was in uns, in unserer Seele abläuft: Die negative Sicht auf die Dinge gewinnt immer wieder die Oberhand und das "Ausblasen" der Kerzen macht genau das deutlich - es steht für all das Schlechte, das uns "runterzieht", das uns den Blick für das Gute in unserem Leben nimmt. Die erloschenen Kerzen sind ein Zeichen dafür, dass wir immer wieder den Mut verlieren und vor der Macht des Faktischen, vor der Macht unseres grauen Alltags resignieren, dass wir immer wieder aufgeben.

Aber da ist jetzt noch die Kerze des Glaubens. Der Glaube an Gott gibt uns die Hoffnung, dass er es gut mit uns meint. Dass er uns in unserem Leben begleitet und uns treu zur Seite steht. Dass er uns an die Hand nimmt und uns sagt: Du bist gut so, wie du bist. Und dass sich sein guter Wille gegen all das Dunkel unserer Welt durchsetzen wird, dass es nichts mehr gibt, wovor wir Angst haben müssen. Und deshalb dürfen wir trotz allem, was wir an Dunklem sehen, die Hoffnung nicht aufgeben! Wenn wir auf Gott vertrauen, dürfen wir immer wieder neu Mut und Zuversicht aus dem Glauben schöpfen.

Für mich haben die vier Kerzen am Adventskranz eine ganz neue Bedeutung gewonnen. Sie sind zum Zeichen dafür geworden, dass Friede, Vertrauen und Liebe durch den Glauben immer wieder neu aufflammen. Dass Gott uns durch die Dunkelheit begleitet, dass er uns mit seinem Licht den Weg weist. Im Johannesprolog lesen wir: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch durch das Wort, und ohne das Wort wurde auch nicht eins, das geworden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst“.

Liebe Leserinnen, liebe Leser: Das Weihnachtsfest ist in unserer heutigen Zeit bedeutungsvoller denn je! Lassen wir uns auf dieses einzigartige Geschenk Gottes ein, dass durch Jesus Christus in der Heiligen Nacht zu uns gekommen ist. Er ist das Licht der Welt, er macht das Dunkel unseres Alltags hell. Keine Finsternis ist stark genug, um dieses Licht auszulöschen. 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Zuversicht mit ins neue Jahr nehmen: Jesus Christus begleitet Sie auf ihrem Lebensweg, er schenkt Ihnen das Licht des Glaubens, das stärker ist als alles Dunkel. An diesem Licht dürfen Sie immer wieder neue Hoffnung schöpfen, an diesem Licht können Sie ihre Kerzen von Frieden, Vertrauen und Liebe neu entzünden. 

Auch im Namen aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Pfarreiengemeinschaft "Am Engelberg" möchte ich Ihnen für das neue Jahr 2020 die besten Glück- und Segenswünsche mit auf den Weg geben - das größte Geschenk aber kommt von Gott: Nehmen Sie das Licht der Weihnacht in ihr Herz hinein, auf dass es Sie durch alle Höhen und Tiefen der kommenden Zeit begleiten möge. 

Ihr

Jakob Link 

 

„Wir haben alles, was wir brauchen - wenn wir nur daran glauben“ - diese Worte standen im Zentrum der gemeinsamen Adventsfeier, zu welcher Pfarrer Dariusz Kowalski und Jakob Link rund 40 Erstkommunionkinder und deren Eltern am vergangenen Samstag begrüßt haben. Besonders junge Familien würden den Advent eher als eine vom Vorweihnachtsstress geprägte und weniger besinnliche Zeit bezeichnen - genau dort setzte das Angebot der Pfarreiengemeinschaft „Am Engelberg“ an und bot Gelegenheit zu gemeinsamen, ganz plastischen Glaubenserfahrungen ebenso wie zu Austausch und Beisammensein.

Dabei erfuhren Kinder und Eltern am Lagerfeuer im Pfarrgarten von einer alternativen Deutung der vier Kerzen am Adventskranz, welche als Symbole für Friede, Vertrauen, Liebe und Glauben interpretiert werden, wobei die ersten drei Kerzen gerade in der heutigen Zeit immer wieder zu erlöschen drohen und es einzig die „Glaubenskerze“ ist, die Hoffnung und vor allem den zündenden Funken schenkt, damit Friede, Vertrauen und Liebe neu aufflammen können. Die besondere Atmosphäre im Feuerschein gepaart mit weihnachtlichem Gebäck und Kinderpunsch verlieh dem ersten Teil der Adventsfeier eine einzigartige, gleichsam meditative wie inspirierende Stimmung und erlaubte es, für den „praktischen Teil“ Kraft zu tanken, denn theoretische Annäherungen an Glaubensinhalte sind gewiss sinnvoll, die Erfahrung in der Praxis aber ist gerade für Kinder unverzichtbar. So gestalteten die jungen Christen gemeinsam mit ihren Eltern ihre eigene „Glaubenskerze“, die sie immer wieder daran erinnern soll, wie wichtig es ist, „Feuer und Flamme“ für Jesus Christus und seine Botschaft zu sein.

Den Höhepunkt und Abschluss der Adventsfeier bildete ein Familiengottesdienst, der von Pfarrer Kowalski in der Großheubacher Pfarrkirche zelebriert und mit einem feierlichen Einzug der Kinder mit ihren selbstgestalteten Kerzen in die abgedunkelte Kirche eröffnet wurde. Zu Beginn sorgte ein Ausschnitt aus dem Weihnachts-Klassiker „Der Polarexpress“ für strahlende Kinderaugen und auch die Erwachsenen schwelgten in Erinnerungen an vergangene Zeiten, doch es ahnte wohl niemand, wie elementar die christliche Botschaft in diesem Film verankert ist. Dabei zeigt die Schlussszene ganz deutlich, dass das Geheimnis von Weihnachten nur verstehen kann, wer wirklich daran glaubt. Und dass es keine Rolle spielt, wie genau man das tut und ob man sich dabei an alteingesessene Konventionen hält, denn es zählt einzig die Entscheidung, zu glauben.

Adventsfeier und Familiengottesdienst bildeten somit ein Zeugnis dafür, wie Kirche im 21. Jahrhundert aussehen muss: Sie muss den Menschen auf Augenhöhe durch zeitgemäße, generationenübergreifende Angebote begegnen, sie in ihrer Lebensrealität abholen und auf einer neuen, emotionalen Ebene mit Glaubensinhalten in Berührung bringen. Dann kann es gelingen, dass auch junge Menschen „Feuer und Flamme“ werden, dass sie erkennen: „Wir haben alles, was wir brauchen - wenn wir nur daran glauben“. (Jakob Link)

 „Kinder, so jung komm’ma nimma mehr z’amm!“ Getreu dieses Mottos des Schauspielers und Sängers Heinz Conrads veranstaltete der Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Ottilia in Rüdenau bereits zum fünften Male „Tag der Jubilare“.

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