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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wenn wir einmal ganz ehrlich sind, dann kann sich keiner von uns von dem Wunsch freimachen, akzeptiert zu sein. Der Wunsch nach Akzeptanz, nach Anerkennung ist etwas, das zu uns Menschen dazugehört. Die Frage ist nur, wie wir dorthin kommen.

Und vor allem, wie wir das mit dem vereinbaren können, was wir eigentlich wollen. Eine mögliche Quelle für Akzeptanz und Anerkennung sind unsere Mitmenschen. Das ist auch schön und gut, häufig bekommen wir dort ja auch ein gutes Wort für das, was wir geleistet haben. Aber mindestens genauso oft ist diese Form der Wertschätzung nur ein kleiner Windhauch, nichts, worauf man sich ausruhen könnte, sondern etwas, das man sich immer wieder neu und immer wieder hart erarbeiten muss. Das kann auf Dauer ganz schön anstrengend sein und es führt auch selten in exakt die Richtung, in die wir gerne gehen würden.

Schließlich ist man zwar häufig Meinung, etwas gut zu können, man ist mit sich selbst zufrieden, nur um dann wenig später von irgendjemand anderem "runtergemacht" zu werden, gesagt zu bekommen, dass man nichts Besonderes sei - und vielleicht nur deshalb, weil „die anderen“ es nicht wahrhaben möchten, dass jeder Mensch Stärken und Schwächen hat, weil „die anderen“ es selbst auch nicht besser können und Anhänger eines ungesunden Leistungsdenkens sind. Und was machen wir dann? Wahrscheinlich genau das: Wir packen unsere Träume und Wünsche einfach weg: Aus den Augen, aus dem Sinn, auf dass es bloß keiner sieht, wir verstecken unsere Talente und Begabungen, das, was wir eigentlich gut können, nur, um dem zu entsprechen, was „die anderen“ verlangen! Das, was man von uns hält, zu akzeptieren, ist nicht einfach - aber es ist auch eigentlich gar nicht nötig! „Wenn du einen Traum hast, musst du ihn beschützen!“, so lautet eine Lebensweisheit. Zieh dein Ding durch. Mach das, was du machen willst. Lass dir von niemandem reinreden. Und es ist nicht irgendjemand, der so zu uns spricht, nein, Gott selbst ist es, der uns dazu auffordert! Das Vertrauen darauf, dass wir so gut sind, wie wir sind, das möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben. Und Gott begleitet Sie auf diesem Weg!

Im Johannesevangelium lesen wir: „Kein Wunder, dass ihr nicht glauben könnt! Denn ihr seid doch nur darauf aus, voreinander etwas zu gelten. Aber euch ist völlig gleichgültig, ob ihr vor dem einzigen Gott bestehen könnt.“ - diese Worte hat Jesus gesprochen, als man ihn dafür kritisiert hat, am Sabbat einen Kranken geheilt zu haben. Es sind nicht „die anderen“, vor denen wir uns behaupten müssen. Matthäus legt da in seinem Evangelium noch einen drauf: „denn Fleisch und Blut haben es dir Nicht offenbart“, sagt er: Das heißt: Wenn du wissen willst, wer du wirklich bist, frag bloß nicht „die anderen“. Etwas einfacher können wir das im „Kleinen Prinz“ lesen: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Es sind nicht irgendwelche Leute, die über uns urteilen können.

Ich gebe zu, es kostet viel Kraft und Mut, sich „den anderen“ zu widersetzen, das nicht an sich heranzulassen. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass es einen gibt, der uns so liebt, wie wir sind, und der uns genau das gibt, was wir so dringend brauchen, nämlich Kraft und Mut. Der uns, wie wir im Markusevangelium lesen können, in die Mitte stellt, für den wir das Wichtigste sind. Und, der uns immer daran erinnert, wer wir eigentlich sind: Nämlich wir selbst, nicht die anderen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser: Ich wünsche Ihnen genau diese Kraft, auf dass Sie den Mut haben, ihren eigenen Lebensweg zu gehen, im festen Vertrauen darauf, dass Gott selbst sie dabei begleitet. 

Ihr

Jakob Link 

(aus der "Stay&Pray"-Andacht vom 20.10.2019)

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